Chinchilla-Haltung, Ernährung, Bilder und mehr. Meinen geliebten Fellkugeln gewidmet.

Mongolische Rennmäuse

"Mongolische Rennmaus


Systematik

Ordnung:
Nagetiere (Rodentia)
Unterordnung: Mäuseverwandte (Myomorpha)
Überfamilie: Mäuseartige (Muroidea)
Familie: Echte Mäuse (Muridae)
Unterfamilie: Rennmäuse (Gerbillinae)
Tribus: Gerbillini
Gattung: Wüsten- und Sandmäuse (Meriones)
Art:
Mongolische Rennmaus (Meriones unguiculatus)




Langeweile mögen Rennmäuse nicht - da wird selbst ein Pfanzetopf zum Erlebnis.


Steckbrief

Wissenschaftlicher Name: Meriones unguiculatus

Vorkommen: Trocken-Steppen und Halbwüsten der Mongolei bis hin zu Mandschurei
Lebensweise: bauen große unterirdische Gänge und Bauten
Sozialleben: leben im Familienverband, der aus bis zu 20 Individuen besteht
Tagesrhythmus: tag- und nachtaktiv; die Wach- und Schlafphasen wechseln sich stets ab
Größe: 10-12 cm + 6-12 cm Schwanzlänge
Aussehen: neben den naturfarbenen Rennern existieren heute viele verschiedene Farbvarianten: Schwarz, Weiss, Schecken, Platin, Algerier, etc.
Lebensdauer: ca. 2-3 Jahre; manche Exemplare bis zu 7 Jahre
Geschlechtsreife: mit 3 Monaten
Tragzeit: 24 Tage
Wurfgröße: 1-10 Junge (Durchschnittlich 4-5)
Entwöhnung: nach ca. 4-6 Wochen


Art und Größe der Rennmausunterkunft

Für die von mir empfohlene Größe der Gruppe von 2 Tieren eignet sich ein ca. 1m-40cm-40cm großes Aquarium mit einem Gitterdeckel. Auch Eigenbauten sind sehr gut geeignet.

In einem Terrarium oder Käfig kann nicht genügend Einstreu untergebracht werden, so dass die Renner ihre artspezifisches Verhalten des Wühlens bzw. Buddelns ausleben können, weshalb diese beiden arten der Unterkunft abzulehnen sind.


Ein Eigenbau ist immer eine gute Wahl - aber bitte darauf achten, dass genügend
Einstreu eingebracht werden kann!


Einrichtung

Erst mal ein Wort vornweg: wundert euch sich nicht, wenn am nächsten Morgen die Einrichtung der Unterbringung eine zum Teil völlig andere ist! Die Rennmäuse haben so ihren ganz eigenen Geschmack, was die Einrichtung betrifft, und gestalten den Käfig einfach um. Gegenstände verschwinden unter der Einstreu, es entstehen auf einer Seite sehr hohe Bauten und auf der anderen ist gar kein Streu mehr, die Gegenstände werden in die entstehenden Gangsysteme integriert oder verschoben, usw. Die kleinen Rennis sind v.a. nach dem Großreinemachen ganz fleißig und setzen eigene Architekturideen in die Tat um.

Als Einrichtungsgegenstände eignen sich in Allgemeinen alle Dinge aus Naturmaterialien, unter die sich die Tiere verstecken können, die benagt werden können oder auf denen die Rennis klettern können.

Das sind v. a.:

* Korkplatten
* Korkröhren
* Wurzeln
* Steine und Ziegel (Achtung nur auf den Boden legen)
* Holzhäuschen
* Körbchen
* Kokosnussschalen
* Weidenbrücken
* Holztunnel
* Grastunnel
* Heunester
* Zweige und Äste
* essebare Topfpflanzen (Töpfe aus nagesicherem Material)
* nagefeste Schüsseln mit Badesand
* Laufrad (optional)


Bei Terrarien/ Aquarien kann es hilfreich sein, eine (oder mehrere) Etage(n) anzubringen, auf die man z.B. das Laufrad, eventuell eine Futterschüssel, ein Häuschen, etc. drauf stellen kann.


Geeignete Einstreu

In der freien Wildbahn bewohnen die kleinen Nager große unterirdische Tunnelsysteme, die bis zu 1,5 m tief sein können. Es ist wichtig den Rennmäusen ein Material als Einstreu anzubieten, das sich gut zum Tunnelbau eignet.

Dieses ist meiner Erfahrung nach eine Mischung aus Kleintierstreu, Heu und Stroh! Diese Zusammenstellung wird übrigens auch von der Nagerzeitschrift Rodentia für Rennmäuse empfohlen. Der Mix gewährleistet, dass die mit viel Zeit und Liebe gebauten Gänge und auch das Nest nicht bei der nächstbesten Gelegenheit zusammenbrechen. Die Höhe der Streumischung sollte mindestens 20cm betragen, je höher desto schöner!

Benutzt man als Unterkunft ein Käfig-Verbundsystem kann man aber auch gern in einem der beiden Käfige Sand als Einstreu nehmen, in der zudem ausgiebig gebadet werden kann.

Die komplette Einstreu muss unter normalen Umständen lediglich jede paar Wochen gewechselt werden.
Oft benutzen Rennmäuse ihr Sandbad als Toilette- dadurch muss man das Gehege noch seltener saubermachen.

Beim Saubermachen sollte man am besten immer nur einen Teil von der Einstreu auswechseln, damit nicht alle Markierungen, in die Renner gemacht haben, weg sind und die Tiere so in großen Stress geraten. Mir wurde berichtet, dass sich die Mongolen sogar gestritten haben als die gesamte Einstreu entfernt und ausgewechselt wurde!



Gänge in einem Heu-Stroh-Hobelspäne-Gemisch als Einstreu bleiben stabil.


Beschäftigung

Beschäftigung für Rennmäuse ist sehr wichtig!
Es dient der Prevention von Stereotypien (=zwanghaftes/neurotisches Verhalten) und Verhaltensstörungen, die in der Nagerhaltung oft vorkommen. Über den genaueren Unterschied zwischen Stereotypie und Verhaltensstörungen in einem neuen Thread mehr.

Als Rennmausbesitzer ist es sehr wichtig zu wissen, dass die Tiere einem täglichen und fast permanenten Beschäftigungsprogramm unterzogen werden müssen, da sie sich sonst schnell langweilen, und es ebenso schnell zum monotonen Verhalten wie in der Ecke scharren oder Gitternagen kommt. Auch das Benagen des Partners oder Selbstverstümmelung z.B. am Schwanz kommen häufiger vor als man denkt.

Daher hier die 6 einfachsten Top- Beschäftigungsmöglichkeiten für die quirligen Tierchen:


Äste und Zweige zum Fressen, Benagen und Klettern

Man legt einfach frische Zweige samt Blättern oder/und Äste ins das Rennergehege und sieht dem buntem Treiben zu! So viel Spaß und das auf gesunde Art!



Frische Kirschbaumzeige bieten gesunden Knabberspaß!


Klo-/ Küchenrollen, Verpackungen, Eierkartons zerknabbern

Man legt pro Tag mehrere Klo- oder Küchenrollen in das Gehege (auch (Eier)Kartons sind geeignet). Diese werden voller Elan mit den Zähnen zerkleinert und dienen zudem als Stabilisator für die Tunnel. Ein paar mal durchschlüpfen ist auch drin, solange der Gegenstand noch ganz ist. TIPP: Familie und Bekannte zum Sammeln der Rollen auffordern!


Tunnelbau & seine Optimierung

Ein paar Mal am Tag verteilt man abwechseln mal Heu, mal Stroh in gesamten Gehege. Die Tiere sind eine Weile damit beschäftigt, das Material zu suchen, sammeln, zerkleinern und ins Nest zu tragen oder auch dafür zu nutzen, die gebauten Gänge weiter zu stabilisieren. Als Abwechslung kann man Tipp a) und b) miteinander kombinieren und das Heu/ Stroh in die Rollen stopfen.


Futtersuche

Die tägliche Ration des Trockenfutters wird im Gehege verteilt, zum Teil sogar versteckt. Die Rennis vertreiben sich anschließend die Zeit mit der Suche nach dem Fressen, das zumindest ein wenig dem natürlichen Suchverhalten nach Futter in der freien Wildbahn gleicht. Deshalb ist das Futterverteilen einer Futterschüssel im Normalfall vorzuziehen. Nur bei notweniger Fresskontrolle z.B. aufgrund von Krankheit sollte man darauf verzichten.


Laufrad anbieten

Ein Laufrad bietet eine Kompensation zur fehlenden Bewegung, die im Gegensatz zur freien Wildbahn in der heimtierhaltung entsteht.




Rennmäuse sind sehr sozial und pflegen untereinander stets regen Körperkontakt.

Soziales

Gruppenkonstellation:

In der Natur leben Rennmäuse in großen Kolonien, deren Mitglieder alle miteinander verwandt sind. Meist setzt sich die Gruppe aus einem Elternpärchen und ihren Nachkommen zusammen.

Leider veränderte sich während der stark betrieben (Farb-)Zucht das Wesen der Rennmäuse: sie wurden aggressiver, anfälliger für Krankheiten, ihre Ansprüche modifizierten sich.

Zuhause sollte man Rennmäuse mittlerweile nur noch zu zweit halten, Männchenpärchen sind meist stabiler als Weibchenkonstellationen. Zudem ist es ratsamer Geschwister zu halten oder Tiere, die sich von klein auf kennen.

Generell abzuraten ist von einer Gruppenhaltung, in der es - aufgrund der oben genannter Entwickung und Veränderung des Rennmäuse-Wesens - plötzlich zu heftigen Streitereien und schnellen Todesfällen kommen kann.
Der Halter kann zuvor keine potenziellen Anzeichen für eine aufkeimende Aggression erkennen und daher auch nicht rechtzeitig reagieren.
Während die Wildrennmaus ein sehr soziales Tier ist und die ganze Gruppe immer alles gemeinsam unternimmt, nimmt dieses Sozialverhalten unserer Renner stetig ab.

In größeren Gruppen ab 2 Tieren ist die Gefahr sehr hoch, dass ein Tier ausgeschlossen wird oder dass die Gruppe das ehemals gemeinsame Revier aufteilt und ihr Territorium gegenüber den "Fremden" verteildigt. Dabei kann es schnell zu tödlichen Auseinandersetzungen und zum Kanibalismus kommen.

Eine Chance fürs Stabilbleiben einer größeren Gruppe ist, wenn ihr nur einen sehr beengten Raum zum Leben anbietet (z.B. bei 3-5 Rennmäusen nicht mehr als 80-100 cm Länge des Aquariums). Das dies jedoch natürlich nicht wirklich artgerecht, ist jedem klar.



Auch geschlafen wird so gut wie immer gemeinsam.


Kommunikation: Laut-, Duft- und Körpersprache

* Markieren: Rennmäuse besitzen am Bauch eine Duftdrüse. Sie markieren ihre Unterkunft bzw. Umgebung, indem sie mit dem Bauch über Gegenstände wie die Einrichtung oder die Einstreu rutschen (= Besitzindex, der Sicherheit verleiht; daher nie die gesamte Einstreu auf einmal wechseln!).

* Gegenseitiges Putzen: sog. Soziale Fellpflege; dient der Verteilung individueller Duftstoffe, die der Wiedererkennung dienen. Ist zudem ein Zeichen der gegenseitigen Zuneigung

* Sandbaden: Befreiung vom überschüssigen Fett, Drüsensekret und Schmutz; Stressabbau

* Trommeln mit Hinterfüßen: Erregungszeichen (bei Paarung oder Gefahr)

* Boxen: gegenseitiges „Boxen“ in aufgerichteter Stellung, meist eine liebevolle Spielerei, dient dem Kräftemessen

* Männchen machen: Absichern vor möglichen Feinden, Überblick verschaffen


Ernährung



Eine Rennmaus beim Verzehr von Saftfutter.


Mischfutter

Empfehlenswert ist es selber zu mischen. Folgendes Komponenten können enthalten sein:

- Wellensittichfutter
- Exotenfutter
- Kanarienvogelfutter
- Waldvogelfutter
- Großsittichfutter
- Getreide wie Haferkerne und -flocken, Mais oder Weizen
- feine Sämereien wie Wildsaaten, Grassamen
- getrocknetes Gemüse und ein wenig Obst wie Erbsen- und Bohnenflocken, Karotten-, Gurke- oder Karottenchips



Mischung aus Hamsterfutter und vielen verschiedenen Sämereien.

Die Fütterung mit reinem Rennmausfutter aus dem Zoofachhandel ist oft unzureichend, da hier der Anteil (feiner) Sämereien meistens zu gering ist. Als Basis zum Weitermischen kann man es jedoch nehmen.



Trockenkräuter und Blätter

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Gern genommen und gesund sind ebenfalls (zusätzlich zum Körnerfutter) diverse Trockenkräuter, -Blüten und -Blätter wie z.B. Löwenzahn, Spitzwegerich, Gänseblümchen, Haselnussblätter, usw.


Frischfutter

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Eisbergsalat, Fenchelknolle, Staudensellerie (v.l.)


Es eignen sich u. a.: Möhren und Karotten samt Grün, Gurken, Paprika, Chicoree, Golliwoog, Salat, Petersilie, Löwenzahn, (Spitz-)Wegerich, Gras, Vogelmiere, Erdbeeren, Apfel, Wassermelone, frische Zweige von Obstbäumen und von Buche, Birke, Weide, Haselnuss.
Obst dürfen Rennmäuse nicht zu viel bekommen wegen dem Diabetesrisiko.
Ansonsten täglich min. 3 unterschiedliche Frischfuttersorten anbieten. I
m Ernährungsbereich findet ihr diverse Frischfutterlisten - sie gelten nicht nur für Chinchillas, sondern auch für Rennmäuse und andere Nager.



Tierisches Eiweiß

In dem meisten (Zwerg-)Hamster- und Rennmaustrockenfutter ist der Eiweißanteil bereits z.B. in Form von getrockneten Mehlwürmern gedeckt; zusätzlich sollten folgende Speisen trotzdem verabreicht werden: lebende Würmer, Heimchen etc., ein TL ungesüßter und fettarmer Joghurt oder Quark, ein Stückchen gekochtes Ei...

So sieht das Eiweißfutter von JR Farm aus, bestehend aus Mehlwürmern, Heuschrecken, Kleinkrebsen:

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Heu





Sollte immer vorhanden sein.


Wasser

Am besten eignet sich eine Nippeltränke oder ein Napf, der sich jedoch auf einer erhöhten Etage stehen sollte, sonst verschwindet es bald unter der Einstreu.
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